Kapelle Wald­ruh

Das Gebäude ist bis auf Sockel und Dach­ein­de­ckung voll­stän­dig aus gewach­se­nem, mas­si­vem Holz, dem Mate­rial des Wal­des. Tra­di­tio­nell steht Holz für eher min­der­wer­tige Bau­ten und für seine Emp­find­lich­keit gegen Ero­sion und Ver­fall. Durch die Form des Bau­kör­pers, die Tek­to­nik der Kon­struk­tion und die zu Grunde lie­gende Ord­nung wird auf ein über­ge­ord­ne­tes Prin­zip verwiesen.

Der Tod ist das Ereig­nis, das die Men­schen zu die­ser Kapelle führt. In der Kon­fron­ta­tion mit dem Tod erlebt der Mensch einen Moment der exis­ten­zi­el­len Betrof­fen­heit, einen „hei­li­gen Moment“, der uns offen macht für das, was grö­ßer ist als wir. Im Ange­sicht des Todes wün­schen wir uns Halt, Trost, Bei­stand und Hoff­nung. All die­ses kommt für den reli­giö­sen Men­schen von Gott. Zwei unter­schied­lich hohe Dächer glie­dern den Bau­kör­per. Ein offe­ner Ein­gangs­gie­bel unter dem nied­ri­ge­ren Dach wen­det sich dem Besu­cher zu und öff­net das Haus. Hin­ter dem Gie­bel ist ein gedeck­ter Vor­be­reich: ein Ort der bei­läu­fi­gen Ver­samm­lung vor dem Betre­ten oder nach dem Ver­las­sen des Haupt­rau­mes. Der Innen­raum mit recht­ecki­gem Grund­riss ist in der Höhe abge­stuft und steigt zum Altar hin an. Wäh­rend die Außen­sei­ten des Hau­ses aus unbe­han­del­tem Holz gear­bei­tet sind, all­mäh­lich ver­grauen und sich damit immer mehr an die Natur­töne des Wal­des anpas­sen wer­den, ist der Innen­raum in Weiß gehal­ten. Die Wände geben die Trag­struk­tur des Hau­ses als fla­ches Relief wie­der. Die Innen­raum­schale ist aus Tan­nen­bret­tern gefer­tigt. Der Wald, als Wahr­neh­mung der Außen­welt und des All­täg­li­chen, soll weit­ge­hend aus­ge­blen­det wer­den. Die dicht neben­ein­an­der­ste­hen­den Eichen­stüt­zen neh­men das Bild des Wal­des, mit sei­nen empor­stre­ben­den Baum­stäm­men auf. Die Baum­stämme wer­den zu Stüt­zen. Sie ste­hen in einer neuen Ord­nung neben der Wild­heit des Waldes.

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