Wenn bauliche Ergänzungen gewünscht sind, sollen diese zu dem Haus passen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen und hat nichts mit einer eindeutigen Strategie zu tun.
Bei dem Kutscherhaus handelt es sich um ein Ensemble aus bescheidenem Wohnhaus und Stallscheune (Kleinstökonomie). In der kleinen Scheune mit Fachwerkkonstruktion waren im Erdgeschoss auf einer Grundfläche von ca. 6,70 auf 7,80 m ein bis zwei Großvieheinheiten und ein paar Schweine untergebracht. Darüber befand sich der Heuboden. Die Verbindung der beiden Gebäude durch eine ebenerdige, hölzerne Galerie entspringt dem Wunsch, aus zwei Teilen eine Nutzungseinheit zu machen. Zwischen den Häusern entsteht nun ein intimer, dreiseitig abgeschlossener Innenhof, dessen Mitte durch einen Mispelbaum markiert wird. Der Erhaltungszustand der Gebäude war schlecht. Viele Bauteile wurden im Rahmen der Reparatur durch zweitverwendete Baumaterialien (z.B. Bodenbretter, Ziegelsteine, Fliesen, Holzbalken) ausgewechselt. Der Naturkeller wurde erhalten. Die zusätzliche Wärmedämmung des Fachwerkhauses wurde mit einer Innenschale aus Leichtlehm bewerkstelligt. Eigentlich ist in Ergänzung zu den fotografischen Aufnahmen nicht mehr so viel zu sagen. Auch hier versuchten wir weiterzubauen. Dazu gehört so etwas, wie das Wesenhafte des Gebäudes aufzuspüren und diesem dann gerecht zu werden. Auf jeden Fall unterscheidet sich diese Haltung stark von der allgemeinen Mode der Denkmalämter. Diesen geht es darum, Brüche zu zeigen, Eingriffe als solche ablesbar zu machen. Als sei Ablesbarkeit eine Gestaltqualität. Diese offizielle Amtsart strebt die Distanzierung zu dem Kontext an. Als Gestus könnte da der spitze Finger stehen. Wie kann ich etwas erspüren und liebevoll daran anknüpfen, wenn ich gleichzeitig Abstand nehme? Wir versuchen, die Architektur des Hauses zu lesen und Anfügungen würdig einzubetten. Eine schwierige Sache, weil sich das Lesen der Architektur natürlich nur schwer objektivieren lässt. Da ist die Formulierung eines harten Bruches wesentlich eindeutiger zu interpretieren, auch wenn es nach unserem Verständnis sehr oft der Idee, mit welcher das Gebäude einmal geformt worden ist, entgegenläuft oder die ursprünglich beabsichtige Raum- und Gestaltvorstellung zerstört.


















